Koalitionsknaatsch XVII

In gewisser Weise ist es nur konsequent, was Norbert Röttgen an diesem Wochenende verkündet hat - aber dennoch toben nun manche in der Union. Röttgen, von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel als Image-Veränderer ins Amt des Bundesumweltministers befördert, sprach sich in der “Süddeutschen Zeitung” für einen rascheren Ausstieg aus der Atomkraft aus. Die Union solle sich “gut überlegen, ob sie gerade die Kernenergie zu einem Alleinstellungsmerkmal machen will”, sagte Merkels smarter Lieblingsschüler. Auch nach 40 Jahren gebe es keine hinreichende Akzeptanz in der Bevölkerung für diese Energieform. Damit nicht genug: Er sehe sich als “Einstiegsminister”, erklärte Röttgen weiter, “als der Minister, in dessen Amtszeit die erneuerbaren Energien einen großen Sprung nach vorne machen”.

Für manchen Unionsmann geht der Chef-Modernisierer Röttgen damit zu weit.

Kritik an Röttgens Plänen gibt es allerdings auch vom Koalitionspartner. FDP-Vizekanzler Guido Westerwelle wies seinen Vorstoß für eine nur kurze Verlängerung der Atomkraftnutzung deutlich zurück. “Was der Umweltminister gesagt hat, ist nicht die Auffassung der Bundesregierung”, sagte der Außenminister am Sonntagabend im ZDF. “Jetzt auszusteigen aus der Kerntechnik ist ein absolut schwerer Fehler.” FDP-Generalsekretär Christian Lindner sagte: “Röttgen kapituliert vor diffusen Ängsten gegenüber der Kernenergie.” Im Wirtschaftsministerium wollte man sich dagegen an der Debatte nicht beteiligen - immerhin ist FDP-Hausherr Rainer Brüderle gemeinsam mit seinem Kollegen aus dem Umweltministerium für das Thema zuständig. Gemeinsam sollen sie laut Koalitionsvertrag ein Energiekonzept erarbeiten. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE sagte eine Ministeriumssprecherin lediglich: “Die Gespräche laufen.”
spiegel.de

Christian Lindner ist ein echter Witzbold. Wer in der “Tagesschau” von gestern gesehen hat, mit welch treuherzigem Blick er verkündet, die Wähler seien sauer, weil die FDP ihre Reformen zu langsam betreibt, hat wenig Mühe, sich Lindner mit Narrenkappe vorzustellen. Helau, Alter!

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