Repression auf Kuba
Von der Hoffnung, dass Kubas Staatschef Raúl Castro den Menschen mehr Freiheiten gewährt, ist wenig geblieben. Vor vier Jahren übernahm er die Amtsgeschäfte von seinem Bruder Fidel. Doch Raúl habe den Unterdrückungsapparat aufrechterhalten, statt ihn aufzulösen, meinen Menschenrechtler wie die Organisation Human Rights Watch. In einem mehr als 100 Seiten langen Bericht kommt sie zu dem Schluss: “Kubaner, die es wagen, Kritik an der Regierung zu üben, leben in ständiger Angst.”
“Es gibt keine Anzeichen für einen demokratischen Wandel, die Repression hat sich verschärft”, sagt auch der kubanische Dissident Oscar Espinosa Chepe vergangene Woche dem SPIEGEL. Oppositionelle werden schikaniert und wegen Gefährdung öffentlicher Ordnung eingesperrt. Nun ist einer nach dem Hungerstreik in Haft gestorben. “Mord in juristischer Verkleidung”, sagen seine Anhänger.
Dabei hatte sich auch die kubanische Führung um eine Öffnung bemüht. Doch diese Politik stockt jetzt, ebenso wie die wirtschaftlichen Reformen. Sozialleistungen sollen herabgesetzt werden. Das Land leidet unter einem Versorgungsengpass, die Importe sind im vergangenen Jahr um 37,4 Prozent im Vergleich zu 2008 zurückgegangen. Sogar staatliche Medien berichten über marode Straßen und Wassermangel.
Die Wut wächst im kubanischen Volk. Doch für eine neue Revolution reicht der Zorn wohl noch nicht.
spiegel.de