Finanzkrise und Spekulation
Die Mehrheit der Medien hat aus der Finanzkrise nichts gelernt. Es wird weiter so getan, als seien die Bewegungen auf den Finanzmärkten Zeichen objektiver realer Entwicklungen. Auszüge aus Artikeln zu der Rolle der „Märkte“ im Zusammenhang mit Griechenland finden sich in Anlage 2. Anlage 1 enthält einen Beitrag von Heiner Flassbeck zum Thema. Der Kern des Problems ist, dass die Mehrheit der öffentlichen Meinungsmacher in Publizistik, Politik und Wissenschaft immer noch davon ausgehen, dass Spekulationen auf den Finanzmärkten etwas Akzeptables oder gar etwas Sinnvolles seien. Albrecht Müller
Ich erinnere an die Einlassungen des ehemaligen Bundesbankpräsidenten Tietmeyer vor der versammelten Wirtschafts- und Politik-„Elite“ in Davos vom 3. Februar 1996, wo er unter Beifall respektvoll anmerkte, die Politiker stünden unter der „Kontrolle der Finanzmärkte“. Dieser Mann hat immer noch wichtige Funktionen – wie zum Beispiel den Kuratoriumsvorsitz bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und er genießt in konservativen Kreisen offenbar immer noch Hochachtung, obwohl seine Einlassung von 1996 das gesamte Desaster unserer Wirtschafts- und Finanzordnung markiert.
Auch Griechenland steht „unter der Kontrolle der Finanzmärkte“ und es wird in öffentlichen Erklärungen wie den in der Anlage 2 zitierten nicht beachtet, dass Bewegungen auf den Finanzmärkten der hoch manipulierten Spekulation unterliegen. Die Preise auf den Finanzmärkten, die Kurse von Wertpapieren, Aktien, und Währungen können beeinflusst werden. Und dies geschieht auch.
Meinungsmache ist nicht der einzige aber ein entscheidender Faktor der Entwicklung auf den Finanzmärkten. Wir haben dies in Deutschland erlebt, wo zum Beispiel die Aktienkursentwicklung ganz wesentlich von Stimmungsmache geprägt war. Ich verweise auf meinen Beitrag vom 7. Januar 2009 und die dort wiedergegebene Kurve der DAX-Entwicklung.
Die dort wiedergegebenen Schwankungen der Kurse um den Faktor 4 zeigen beispielhaft, wie realitätslos die Entwicklungen auf den Finanzmärkten sind.
Auch die Spekulation gegen Griechenland hat ja nicht nur objektive Gründe, sondern ist Teil eines Spiels. Die Finanzwirtschaft und ihre Akteure gewinnen am Auf und Ab und an damit verbundenen permanenten Transaktionen von Vermögenswerten. Deshalb betreiben sie dieses Spiel.
Wie sehr die Entwicklung von Meinungsmache abhängt, kann man daran erkennen, dass es eine Spekulation gegen den Dollar in der gleichen Weise wie gegen Griechenland bisher nicht gibt. Die Leistungsbilanz der USA, die Staatsverschuldung und auch die Verschuldung der USA gegenüber anderen Volkswirtschaften ist ähnlich dramatisch wie im Falle Griechenlands. Aber vermutlich ist die PR-Kraft der USA um mehrere Dimensionen größer als die Griechenlands. Einmal abgesehen von den realen Unterschieden, die es natürlich gibt.
Das Fazit aus diesen Beobachtungen: die Konsequenz aus der Finanzkrise muss die Ächtung der Spekulation sein. Die Finanzmärkte müssen auf ihre reale Funktion zurückgeführt werden.
Albrecht Müller
Lucas Zeise - Staatspleiten voraus
Es wird immer fraglicher, ob den großen Wirtschaftsmächten der Ausweg aus der Schuldenfalle mittels Inflation gelingt. Falls nicht, wird es unangenehm.
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Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung
Bastion gestrigen Denkens


