Globalisierung

Unter Globalisierung versteht man den Prozess der zunehmenden weltweiten Verflechtung in allen Bereichen (Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt, Kommunikation etc.). Diese Intensivierung der globalen Beziehungen geschieht auf der Ebene von Individuen, Gesellschaften, Institutionen und Staaten. Als wesentliche Ursachen der Globalisierung gelten der technische Fortschritt, insbesondere in den Kommunikations- und Transporttechniken, sowie die politischen Entscheidungen zur Liberalisierung des Welthandels.
Den wirtschaftspolitischen Begriff der Globalisierung prägte Theodore Levitt (1925–2006), ein deutscher Emigrant und ehemaliger Professor an der Harvard Business School 1983 mit dem Artikel „The Globalization of Markets“ in der Harvard Business Review. Innerhalb des deutschsprachigen Raumes verbreitete sich diese Bedeutung des Terminus nach 1990 in der öffentlichen Debatte.
Globalisierung bedeutet demnach zunächst nur ein stärkeres Zusammenwachsen der Volkswirtschaften.

Durch die expandierende Weltwirtschaft geraten die Nationalstaaten verstärkt in wirtschaftliche Konkurrenz zueinander, denn es entsteht ein Standortwettbewerb. Diese Situation kann zu Spannungen zwischen Staaten führen, daher wird zunehmend eine höhere, multilateralen Instanz gefordert, die die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Wirtschaftssubjekten regelt.

Vorteile

Vor allem aus ökonomischer Perspektive wird die Globalisierung häufig begrüßt. Besonders wird erwartet, dass durch mehr Handel und eine verstärkte Arbeitsteilung die Armut bekämpft werden kann. Die Politik der Importsubstitution, mit der in den 60ern und 70ern vor allem in Ländern Lateinamerikas und Afrikas aber auch beispielsweise in Indien versucht wurde, durch hohe Zölle auf Importe der eigenen Industrie den heimischen Markt zu sichern und so Wirtschaftswachstum auszulösen, wird als gescheitert betrachtet. Erst durch eine verstärkte Außenorientierung der Handelspolitik seien Länder wie China, Indien und die asiatischen Tigerstaaten in die Lage gekommen, ihre Wirtschaftsleistung zu vergrößern und Armut zu bekämpfen.

Eine Verstärkung der Ungleichheit, die in Industrieländern in der Vergangenheit in Form von sinkenden Löhnen für weite Bevölkerungsschichten zu beobachten war, wird als nur in geringem Ausmaß durch die Globalisierung sondern vor allem durch technischen Wandel induziert betrachtet.

Die häufig vorgebrachte Kritik, die Globalisierung untergrabe die politische Gestaltungsfähigkeit, wird zurückgewiesen. Unternehmen suchten sich ihre Standorte selten nach politischen Vorgaben aus, die Gestaltungsfähigkeit der Politik sei deutlich größer, als dies, häufig auch von den Politikern selber in einer Art vorauseilendem Gehorsam, wahrgenommen werde. Teilweise seien politische Veränderungen auch eindeutig positiv: die Zahl bewaffneter Konflikte ist zwischen 1992 und 2005 um etwa 40 % zurückgegangen.

Nachteile

Ein Kritikpunkt sind die Folgen der mit der Globalisierung der Märkte einhergehenden verschärften Konkurrenzsituation, in der sich die Volkswirtschaften weltweit befinden. Kritisiert wird, dass Ländern mit weniger ausgebildeten Sozialsystemen nicht geholfen wird, die Situation zu verbessern, sondern - im Gegenteil - die sozialen Errungenschaften (Gesundheits- und Bildungswesen, Arbeitsrecht, Mindestlöhne, Alterssicherung, Schutz vor Kinderarbeit, Frauenrechte usw.) weltweit mit Argumenten wie „Konkurrenzfähigkeit“ oder „Sanierung des Staatshaushalts“ reduziert werden.

Globalisierungskritiker behaupten ferner, dass es durch die liberale Globalisierung zu einer Zunahme der weltweiten sozialen Ungleichheit sowohl zwischen als auch innerhalb einzelner Länder (vgl.: Stolper-Samuelson-Theorem) komme.

Vor allem Einkommen und die relative große Einkommensausgeglichenheit in Industrieländern geraten nach dieser Lesart unter Druck. Beispielsweise stieg das Bruttoinlandsprodukt der USA zwischen 1973 und 1995 um 39 %. Dieser Zugewinn entfiel jedoch beinahe ausschließlich auf Spitzenverdiener. Die Einkommen von Beschäftigten ohne Führungsfunktion (etwa 80 % der Arbeitnehmer) sanken in dem Zeitraum dagegen um real 14 %. In den meisten Industrieländern, vor allem in den USA, den EU-15-Staaten und Japan, ist außerdem seit 1980 der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen stetig gesunken. Zwischen 1980 und 2000 nahm die Ungleichheit weltweit in 48 Ländern zu und ging in 9 Ländern zurück.
Eine andere Variante der Globalisierungskritik richtet sich nicht gegen eine „liberale Globalisierung“, sondern hat gerade ihre Grundlage im politischen Liberalismus: Ralf Dahrendorf beschrieb das Entstehen einer neuen „globalen Klasse“ und das Aufkommen eines neuen Autoritarismus als eine Wirkung der Globalisierung, die die Freiheit der Menschen gefährde, wenn dieser Entwicklung keine ausreichend starke politisch Gegenkraft gegenüberstünde.
(Text aus Wikipedia)

Hier soll das Thema Globalisierung in seinen Facetten von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet werden. Es wird versucht das Thema objektiv darzustellen, aber natürlich wird alles etwas durch die „deutsche Brille“ betrachtet.
globalisierung-infos

Kurze Artikel zur Globalisierung

Ernst Ulrich v. Weizsäcker
Mit dem Wort Globalisierung verbinden sich bei den Menschen in allen Erdteilen Hoffnungen und Ängste. Auffällig ist folgendes: Wer Einfluss auf das globale Geschehen hat, spricht typischerweise positiv bis enthusiastisch über die Globalisierung. Wer sich machtlos und ausgeliefert fühlt, bei dem überwiegen die Ängste.
Ist das ein Wunder? Nein, es ist selbstverständlich. Und in dieser Selbstverständlichkeit liegt die große Herausforderung für die Demokratie.
Die Demokratie will nicht, dass sich Menschen machtlos und ausgeliefert fühlen. Die Demokratie will, dass auch im Prozess der Globalisierung die Mitwirkung aller ermöglicht wird.

globalisierung-online

Kann es Vollbeschäftigung noch geben? Zu fundamental verändert scheint sich die Welt zu haben, als dass man einfach zurückkehren könnte zu Konzepten, welche die “heile Welt” der 50er und 60er Jahre gekennzeichnet hatten.
flassbeck.de

Unter „Globalisierung” werden üblicherweise drei Dimensionen der zunehmende wirtschaftlichen Verflechtung der Nationalstaaten subsummiert: Der Handel mit Waren und Dienstleistungen, die Wanderung von Kapital und Technologie und die Verflechtung der Arbeitsmärkte. Richtig ist: Das Gewicht der mit dem Weltmarkt verflochtenen Bereiche hat in allen industrialisierten Volkswirtschaften schon seit dem Beginn der Industrialisierung zugenommen. Nach dem 2. Weltkrieg hat sich dieser Trend fortgesetzt. Zwei Entwicklungen haben allerdings in den letzten Jahren die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Globalisierung in den Augen vieler Beobachter verstärkt: der Zusammenbruch des kommunistischen Machtsystems und die zunehmende Ausrichtung der Entwicklungsländer in der Asien-Pazifik-Region und in Lateinamerika am westlichen Wirtschafts- und Demokratiemodell.

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Auswüchse und Marktversagen sind jedoch kein Grund, aus der Globalisierung ein hochdramatisches Thema machen. Eine kluge Politik würde gegen diese Stimmungsmache angehen, statt sie mitzumachen und mit dem gängigen »Alles-ist-neu-Gerede« noch zu verschärfen. Die Globalisierung ist nicht neu. Sie erfordert als Antwort auch nichts grundsätzlich Neues.
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